Atelier- und Galeriehaus
Defet Marianne und Hansfriedrich Defet Stiftung

Boyong Kim

Von farbigen Horizonten
und vibrierenden Tiefenräumen

Farbe in ihrer Autonomie - das ist das große Thema in Boyong Kims Werk, welches sie immer wieder aufs Neue und immer wieder mit überraschenden Resultaten behandelt. Ihre flirrenden Streifenbilder erforschen, entdecken und ordnen in feinsten Nuancen die verschiedenen Harmonien, untersuchen Wechselwirkungen und schaffen Farbräume, die dem Betrachter unerforschte Universen eröffnen.

Boyong Kims Arbeiten sind abstrakt - nichts Figürliches stört die Konzentration auf die Farbe als Bildmotiv. Gleichzeitig überrascht die Künstlerin stets mit dem unvergleichlichen Tiefenraum, welcher ihren Bildern trotz allem zueigen ist. In einem langwierigen Prozess überlagert sie einen farbig strukturierten Untergrund mit Linien. Unzählige Male wird die Acrylfarbe in feinen, teils lasierenden Schichten übereinander aufgetragen und lässt nach und nach eine fast räumliche Bildtiefe entstehen, welche aus purer Farbmaterie gebildet ist.

Dabei treten die Farben, ähnlich wie bei dem Colour-Field Maler Josef Albers (1888-1976), in Kommunikation. Sie wirken miteinander und behalten doch stets ihre Eigenständigkeit bei. Je länger wir vor den Bildern verweilen, desto mehr dieser Bezüge, Verbindungen und Abgrenzungen können wir entdecken, desto mehr feine und feinste Nuancen offenbaren sich. Mit zunehmender Betrachtung beginnt die Farbe schließlich zu vibrieren und ihr Volumen zu vergrößern. Das zweidimensionale Bild gewinnt an Plastizität. Wie bei dem amerikanischen Künstler Barnett Newman (1905-1970), dessen Bilder ebenfalls die Farbe in Bewegung bringen, gilt auch bei Boyong Kim, dass durch die Konzentration auf die Farbe die Rezeption der Bilder verändert wird. Wassily Kandinsky (1866-1944), der Urvater der Abstraktion, stellt die Rezeptionskette Künstler - Werk - Betrachter auf. Bei Newman ebenso wie bei Boyong Kim nun wird diese tradierte Dreigliedrigkeit um ein Kettenglied verkürzt. Denn durch die Abstraktion und scheinbare Inhaltslosigkeit des Bildes nimmt sich der Künstler beziehungsweise die Künstlerin vollkommen zurück. Raum und Zeit werden bedeutungslos, das Bild und der Betrachter bleiben in Zweisamkeit zurück.

Doch Boyong Kims Bilder erschöpfen sich nicht in Tiefenwirkung. Denn trotz der Farbe als autonomem Kompositionselement scheinen sie doch nicht gänzlich abstrakt zu sein. Die waagrechten Linien erwecken Assoziationen an Horizonte, an Küstenstreifen und Landschaften.

Gleichgültig woran sich der Betrachter beim Anblick von Kim Boyongs Arbeiten erinnert fühlt, so führt die Künstlerin doch eins in absoluter Klarheit und Eindeutigkeit vor Augen: wie vielfältig reine Farbe sein kann und dass abstrakte Malerei auch heute, gut ein Jahrhundert nach Kasimir Malewitschs schwarzem Quadrat auf weißem Grund, in ihrer Vielfalt weiterhin immer aufs Neue zu überraschen vermag.

Anne Simone Krüger, Kunsthistorikerin M.A.



Kontakt

Boyong Kim
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Website: http://www.boyongkim.de